Bambus … weit mehr als ein „Naturbaustoff der Armen“

Von Udo Linnemann, Lombok 15.12.2013

 

Internationales Bambus Architektur Festival auf der indonesischen Ferieninsel Lombok.

Dass Bambus weit mehr ist als ein Naturbaustoff der Armen, wie dieser Baustoff häufig in Südostasien bezeichnet wird, bewiesen Designer und Architekten aus unterschiedlichen Ländern auf der indonesischen Ferieninsel Lombok. In der Zeit vom 01. bis 08. Dezember zeigten sie auf dem Bambus Architektur Festival mit ihren, in kurzer Zeit angefertigten Werken, die Vielseitigkeit dieses Materials, welches auch in westlichen Ländern zunehmend Aufmerksamkeit erregt.

Auf einem etwa 300 Meter langen Strandabschnitt, in der Nähe des Touristenortes Senggigi, ließen die Designer und Architekten ihren Ideen und Inspirationen freien Lauf. Sie verwandelten den flachen Sandstrand mit ihren Skulpturen und Konstruktionen aus Bambus in ein Gesamtkunstwerk. Die faszinierenden Lichteinwirkungen der Sonnenuntergänge gaben dem Ganzen zudem eine geheimnisvolle Ausstrahlung.

Anmutige und zerbrechlich erscheinende Konstruktionen, wie beispielsweise die Arbeit der in Amsterdam lebenden, russischen Designerin Elena Goray standen im Einklang mit massiven kubischen, runden und pyramidenförmigen Konstruktionen. Die Affinität und die gegenseitigen, ergänzenden Einflüsse zwischen Kunst, Design und Architektur kamen auf dieser Ausstellung besonders zur Geltung. Die Konstruktionen und Designwerke animierten den interessierten Besucher der Ausstellung geradezu über die zukünftige Bedeutung und Anwendung des Materials Bambus, auch in modernen westlichen Ländern, nachzudenken.

Bambusspezialist, Ausstellungsteilnehmer und Jurymitglied der Ausstellung, Dipl.-Ing. Christoph Tönges aus Geilenkirchen, der eine auf Bambus spezialisierte Firma betreibt, erläuterte in einem Gespräch einige die Vorzüge dieses Naturstoffs als Baumaterial:

– Bambus, im Gegensatz zum herkömmlichen Holz aus Waldbeständen, eine schnell nachwachsende und problemlos anzubauende Naturstoffressource ist, die leicht und mit wenig Aufwand geerntet werden kann.

– Bambus ist sehr leicht zu verarbeiten und zeichnet sich in seinen Eigenschaften durch geringes Gewicht bei gleichzeitig hoher Belastbarkeit und Elastizität aus.

– Aufgrund der statischen Eigenschaften schafft Bambus in der Architektur mehr Spielräume und Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Designs und leichte Bauweisen mit hoher Stabilität.

– Nicht zuletzt ist Bambus, durch sein schnelles und problemloses Wachstum, ein vergleichsweise kostengünstiges Naturmaterial und könnte einen wesentlichen und wichtigen Beitrag zum Erhalt von Baumbeständen und zur Eindämmung von Flächenrodungen leisten.

Die Gründe, dass Bambus gerade als Baustoff bislang noch zu wenig Beachtung findet, sind, laut Christoph Tönges , mangelnde Erfahrungen und fehlendes Wissen im Umgang mit diesem Material sowie die bislang fehlende Erfassung von Bambus in Holztabellen, die zur Statik und zu Baugenehmigungsverfahren herangezogen werden.

Gesponsert und ausgerichtet wurde die Ausstellung vom indonesischen Minister für Tourismus und kreative Ökonomie, Harry Walulo. Wie der Minister in seiner Abschlussrede der Ausstellung erläuterte, sollen auch künftig Ausstellungen wie diese beweisen, das Indonesien durchaus einen internationalen Stellenwert einnimmt und innovative Beiträge für Ideen und Kreativität zu leisten in der Lage ist.

Quelle: http://indojournalist.jimdo.com/blog/

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