Ein unvergleichliches Gras, 5.Teil

von Sandra Makowski

„Man sollte denken, dass Bambus längst überall als hochklassiges Material gilt. Das ist aber nicht der Fall in Gebieten, in denen er besonders häufig vertreten ist – etwa in Südamerika, wo man ihn wie in Asien als „Arme-Leute-Holz“ einstuft und daher Produkte und Bauten aus Bambus wie auch die Leistung ihrer Gestalter häufig geringschätzt. Im eigenen Land, da kenne man ihn vielleicht als Prominenten, als Architekt hingegen sei er „eher nicht“ anerkannt, meint zum Beispiel der Kolumbianer Simón Vélez – der im Rest der Welt als Godfather der Bambusarchitektur Erfolge feiert mit seinen luftigen Pavillons, seinen einzigartigen Brücken, seinen sakralen Bauten, die mächtige Rohre von kolumbianischem Bambus zu eindrucksvollen Kuppeln vereinen. Er gestaltete gigantische Kolosse wie das „Nomadic Museum“ (mit über 5.000 Quadratmetern das größte jemals realisierte Bambushaus) und beeindruckte auf der Expo 2000 mit dem „ZERI Pavillon“ (entworfen im Auftrag einer Forschungsinitiative, die sich schon damals „Zero Emission“ auf die Fahnen geschrieben hatte). Kollegen in aller Welt lassen sich von ihm inspirieren und die Niederlande ehrten ihn mit dem „Großen Prinz-Claus-Preis“.

Begonnen hat Vélez, selbst inmitten von Bambusfeldern aufgewachsen, mit Holzkonstruktionen – bis ihn ein Auftraggeber auf das Gras brachte. Seither lässt ihn das Material nicht mehr los. Um seine fantastischen Entwürfe zu realisieren, nutzt er eine simple, aber effiziente Technologie: Die zu verbindenen Teile werden an den Knotenpunkten mit Beton gefüllt, in den wiederum als stärkendes Element Stahl eingelassen wird. Eine Stabilisierung, die atemberaubende Konstruktionen erlaubt. „Ich kann mit Bambus natürlich nicht den Eiffelturm bauen und auch nicht die Golden Gate Bridge“, sagt Vélez. Aber das, was er mit den hohlen Gräsern vollbringt, ist schon ziemlich nah dran. „Vegetarische Architektur“ der Sonderklasse.

Das Riesengras, das so wuchernd wächst, dass man die ausläuferbildenden Arten in hiesigen Gärten rigoros zurückstutzen muss, eignet sich eben für Kunstvolles in gigantischen Dimensionen genauso gut wie für Kleines, Feines.“

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Textquelle: http://www.premiumpark.de/artikel/ein-unvergleichliches-gras

Autorin: Sandra Makowski, nurweiterso.de