Bambusgerüst als Installation am Goethe Institut Budapest

Gerüst aus Bambusstäben

Gerüst aus Bambusstäben

An der Fassade des Goethe Institut Budapest in Ungarn installierte Knut Eckstein sein Werk „Unsicheres Terrain“ in Form eines Gerüsts aus Bambusrohren. Technische Unterstützung sowie die benötigten Materialien erhielt er von der Firma CONBAM und Christoph Tönges. Die Verbindungen wurden mit originalen chinesischen Gerüstbaubändern hergestellt.

Der Direktor des Museums für Angewandte Kunst Frankfurt am Main Matthias Wagner K schreibt hierzu:

„Symbole repräsentieren etwas, dass sie selbst nicht sind. Sie verweisen auf Abwesendes und bilden Zeichensysteme, anhand derer das Hier und Heute zu einer kommunizierbaren Wirklichkeit wird. Zu der Welt der Symbole gehören auch jene Zeichen, mit denen Unternehmen in Form von Buchstaben oder einer Kombination aus Schrift und Bildelement für sich werben. Als leuchtende Signets bestimmen diese in hohem Maße das nächtliche Erscheinungsbild unserer Städte.

Mit seiner Intervention „Unsicheres Terrain“ eröffnet der in Berlin lebende Künstler Knut Eckstein (*1968) die vierteilige Installationsreihe „Mehr Licht“ des Goethe-Instituts in der Ráday utca 58, die von 2012 bis ins Jahr 2014 Lichtinstallationen von KünstlerInnen aus Ungarn und Deutschland an der Fassade des Gebäudes präsentiert.

„Unsicheres Terrain“ ist ein Werk, das sich aus der Welt der Symbole, genauer aus der von Firmensignets speist. Doch was bei Unternehmen aus zumeist höchstwertigen Materialien und aufwändiger Technik produziert ist, entsteht bei Eckstein aus einfachsten Materialien, aus unterschiedlich farbigen Lichtschläuchen, sogenannten Cable-lights. Mit diesen zeichnete er bei seinem neuesten Kunstwerk das Signet des französischen, viertgrößten, Mineralölunternehmens der Welt nach. Angebracht an einem zuvor an der glänzenden, modernen Fassade verankerten fragilen Bambusgerüst, leuchtet signifikant und zugleich namensgebend für dieses global agierende Unternehmen neben einer dynamischen runden Bildmarke der Schriftzug TOTAL auf.

Die bewusst provisorische Ausführung der Installation, das an asiatische Baustellen erinnernde Bambusgerüst an der Fassade des Instituts, lässt dabei den Eindruck entstehen, dass das Gebäude selbst in einer Umbauphase ist. Ein Prozess scheint hier in Gang gesetzt zu sein, verweist auf zukünftige Veränderungen – auf totale?

Denn in der Tat lässt der Schriftzug TOTAL zahlreiche Assoziationen zu. Total kann alles einschließen und ebenso kann von einem ganzheitlichen Ausschluss die Rede sein. In jeden Fall aber lässt sich dieser Begriff mit einem Ganzheitsanspruch verbinden. Denn total meint alles. Ohne Ausnahme. Und ohne Umschweife. Eben total. Doch ist damit nicht geklärt, welche Intention dieser Begriff verfolgt, ob hier ein positiver oder negativer Ganzheitsanspruch zum Tragen kommt. Und was bedeutet dieser Begriff, diese Wortmarke, für eine Firma, die sich zu dem achtgrößten Unternehmen der Welt zählt? Was bedeutet diese Marke, dieses Wort für einen Franzosen, einen Deutschen oder Ungarn?

Mit diesen Fragestellungen berührt Knut Ecksteins Werk „Unsicheres Terrain“ einen Grundgedanken des Kunsthistorikers und Kulturwissenschaftlers Aby Warburg, das nämlich ein Kunstwerk nicht isoliert und rein ästhetisch zu betrachten ist, sondern im Zusammenhang mit seiner Zeit und sehr speziellen Traditionen in Schrift und Bild steht.

Mit der Ikonologie der an der Fassade des Goethe-instituts installierten Materialien und Zeichen verdeutlicht der Künstler den Bedeutungszusammenhang zwischen Erfahrung und Bewusstsein innerhalb unterschiedlicher kultureller Erfahrungsmomente, von lokalen oder nationalen Besonderheiten und global zirkulierenden Zeichen. Verschiebungen und Verdichtungen sind die Methoden, mit denen der Künstler agiert und mit denen er die Bedeutungen der uns umgebenden Zeichen auf humorvolle und kluge Weise hinterfragt. Er gehört damit zu jenen Künstlern, die nicht das Medium Licht selbst zum Gegenstand der Betrachtung machen, sondern es einsetzen als Bestandteil und Bedeutungsträger für komplexe Fragestellungen in Bezug auf die uns umgebenden, allgegenwärtigen Symbole, Zeichen, Phänomene und nicht zuletzt gesellschaftlichen Prozesse.“

Matthias Wagner K

Quelle: http://www.goethe.de/ins/hu/bud/kul/sup/bml/deindex.htm

weitere Weblinks:

Knut Eckstein, Biografie: http://www.markmueller.ch/mm/wp-content/uploads/2011/05/MM_Eckstein_09_2011.pdf

Matthias Wagner K, Website: www.wagner-k.de